Große Männer und ihre Werke. Heute: Goethe
Dienstag, 29. Juni 2010, 15:17
Abgelegt unter: Probentagebuch

Aus gegebenem Anlass spüren wir im Probentagebuch einer Reihe von berühmten Männern nach. Dass die Überschrift das weibliche Geschlecht dermaßen ausklammert ist sicherlich Grund zur Beschwerde. Allein: Die großen Zeitzeugen, die im Hofspektakel als Referenzen an verschiedene Epochen auftreten, entsprechen dem Parameter: Den und dessen wirken kennen viele Zuschauer. Und das sind dann doch zumeist Männer. Und das sagt wohl eher etwas über die europäische Kulturgeschichte aus, als über diese Überschrift.

Goethe

Goethe

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema: Goethe. Goethe war so ziemlich alles, was man als Universalgelehrter um die Jahrhundertwende 1800 sein konnte. In meiner ehemaligen Schule – dem Goethe-Gymnasium – hing ein Scherenschnitt, auf dem Goethes Silhouette mit verschiedenen Berufsbezeichnungen angereichert war – das Blatt reichte gerade so aus. (Übrigens war eine recht seltsame Kopie von nebenstehendem Bild an unsere Cafeteria-Wand gepinselt. Da wurde dann aber irgendwann ein Bücherschrank vor gestellt…)

Der bekannteste Beruf ist sicherlich: Dichter. Selbst die theoretischen Schriften, gerade zu naturwissenschaftlichen Fragestellungen, sind von hoher literarischer Qualität. Viel bekannter und mit Wissenschaft verknüpft ist das Hauptwerk Goethes, das zentrale Werk der Weimarer Klassik – eigentlich das bedeutenste und meistzitierte Werk der deutsprachigen Literatur: Faust, die Tragödie in zwei Teilen. Und eine ganze Reihe von geflügelten Worten nutzen wir heute ganz natürlich in unserem Sprachschatz. Goethes Bearbeitung zeigt aber auch den Weg von Stücken aus dem Volkstheater, speziell auch Puppentheater, wo die Tragödie mit Hans Wurst kombiniert aufgeführt wurde, hinein in eine hochliterarisierte Form.

Sicherlich hängt der riesige Literaturnachlass Goethes auch mit seiner enormen Lebensdauer zusammen. Hier sei noch auf mein Lieblingsdrama Goethes verwiesen, auf Iphigenie auf Tauris. Wenn aus diesen Versen nicht das italienische Flair spricht – dann weiß ich auch nicht. Obwohl Tauris gar nicht in Italien liegt … (ts)



Wenn die Welt erschaffen wird…
Donnerstag, 17. Juni 2010, 16:11
Abgelegt unter: Probentagebuch

Der geneigte Leser erinnert sich noch an die Wurfpuppe, die vor ein paar Einträgen bebauhaust ein Thema war. Morgen werden die Wurfpuppen endlich auf Publikum treffen, ein Jahr theaterpädagogische Projektarbeit geht zu Ende und die Welt wird mit Erbsen erschaffen. Die Programmhefte liegen ausgedruckt und gefaltet griffbereit, die Bühne steht, das Licht hängt. Und nach einer frohstimmenden Generalprobe am heutigen Mittag freuen wir uns auf die morgige Premiere.

Die Erschaffung der Welt In M

Die Erschaffung der Welt In M

Die Erschaffung der Welt in M. Mit der Erschaffung, dem Schöpfungsakt, haben sich eigentlich alle Völker irgendwann zu Beginn ihrer Kultur beschäftigt. Bis heute gibt es ja einen florierenden Markt der Theorien, wie das Universum, die Welt – also die Gesamtheit dessen, was ist – entstanden sein könnte. Was wohl nach einer Erschaffung aus einer Erbsenkiste entstanden sein könnte, was die Erbsenlebewesen erleben, wie sie sich in ihrer Natur verorten müssen und das Unbekannte ergründen – davon handelt die Theaterperformance. Alles in M – der Konsonant steht natürlich für Magdeburg. Und wenn wir bei Wikipedia nachschauen und das dann auch noch glauben, ist M der 14-häufigste Buchstabe in deutschen Texten. Gut das die germanistischen Zeiten vorbei sind, in denen man in Goethes Texten Artikel zählte – es lebe das unsinnige Wissen!

Erbsen passen zu einem anderen, ebenfalls welterschaffenden (zumindest im idealistischen Sinne) Megaevent, wo es um eine große Erbse aus Leder statt aus Jutebeuteln genäht geht. Um 16 Uhr morgiger Zeitrechnung gibt es glücklicher Weise keine Ausreden mehr, nicht ins Puppentheater zu pilgern und die hiesigen Fan-Ränge zu betreten (außer man ist Slowenier oder US-Amerikaner). (ts)



Der saisonale Endspurt beginnt
Mittwoch, 9. Juni 2010, 15:55
Abgelegt unter: Probentagebuch

Die letzte Premiere eines Theaters ist in der Regel die Open-Air-Produktion! Und obwohl alle Produktionen einer Spielzeit gleich wichtig sind, kommt dieser in der Regel besondere Aufmerksamkeit zu, da besonders prestigeträchtig, besucher- und einnahmeorientiert.

Das Theater verlässt angestammte Räume, setzt sich nicht nur Wind und Wetter aus, sondern sucht im besten Falle eine Konzeption, die das „Draußenspielen“ sinnfällig macht.

Seit mehr als 35 Jahren pflegt das Magdeburger Puppentheater bereits eine Tradition, die da „Hofspektakel“ heißt. Und wenn man nicht zum Festival Orte bespielt, die für 5000 – 6000 Besucher tauglich sind, ist es der eigene romantische Innenhof, in dem die Bühne zum Greifen nahe und das ganz direkte und individuelle Erleben garantiert ist.

ICH BIN NICHT LUSTIG oder DIE WELT WIRD BESSER, lautet der Titel der diesjährigen Produktion. Regisseur Hans-Jochen Menzel ist auch der Autor des gleichnamigen Buches, das wir aus Anlass des 50.Geburtstages unseres Theaters publiziert hatten (Restexemplare sind übrigens im Theater erhältlich). Die Unterzeile TAGEBUCHFRAGMENTE EINES KASPERS, dürfte allerdings mehr Aufschluss geben über das, was das geneigte Publikum erwarten kann.

Also, vom Buch auf die Bühne! Ein spannender und nicht zu unterschätzender Prozess. Denn was geschrieben steht und lustvoll illustriert ist, bedarf auf der Bühne eines sinnvollen Vorgangs und einer anderen dramaturgischen Struktur. Während Kasper in unserem Buch, kommentarlos von Seite zu Seite und mit riesigen Schritten durch die Kulturgeschichte der Menschheit schreitet, bedarf es auf der Bühne einer entsprechenden Handlung, um Orte, Zeiten, Personen und Geschehen nachvollziehbar zu machen.

Doch nicht nur Kasper himself ist auf “Zeitreise”, sondern gleichermaßen seine Kollegen aus dem klassischen Kaspertheater: Gretel, Polizist, Krokodil, Teufel und Tod.  Das Spektrum der historischen und zeitgenössichen Reisebekanntschaften reicht von Guericke, Goethe, Freud, Gorbatschow und Westerwelle, um nur einige wenige zu benennen.

Der Regisseur stellt fest: Kasper spielt man nicht, Kasper ist man! Das trifft allerdings auch auf seine Kollegen zu. In diesem Sinne beginnen wir die Proben mit einer Handlungsstruktur und wenigen vorgegebenen Texten. Das schafft Freiraum für die Spieler und deren Erfindungen. So kann dann durchaus das Krokodil zu einer verwunschenen Prinzessin mit unstillbarer Fresslust mutieren.  Da wir uns vorgenommen haben, auch so manch wohlbehütetes Menschheitsgeheimnis zu enthüllen, sind der Phantasie der Beteiligten keine Grenzen gesetzt. Allerdings muß der historische Background stimmen und der Recherche kommt gleicher Stellenwert zu, wie der lustvollen Erfindng. Oder wußten Sie, warum die Gletschermumie Ötzi gemordet wurde oder warum Otto von Guerickes Halbkugelversuch auf dem Reichstag zu Regensburg so fulminaten Erfolg hatte? Kasper deckt alles auf. Übrigens, und da sei allen anderslautenden Veröffentlichungen in die Parade gefahren: Der Slogan Ottostadt Magdeburg wurde vom Kasper erfunden aus ewiger Dankbarkeit gegenüber seinem besten Kumpel Otto Meier aus Buckau!

Premiere ist am 2. Juli und wir hoffen, dass das Wetter hält und die Stimmung gleichermaßen. Die Spielserie bildet dann den Abschluss unserer Spielzeit und geht vom 3. – 25. Juli täglich außer montags! Herzlich willkommen! (fb)