Rekonstruktion
Freitag, 23. April 2010, 13:14
Abgelegt unter: Probentagebuch

Heute vergleicht die Magdeburger Volksstimme das Bühnenbild von “Pünktchen und Anton” mit den Bauten in Fritz Langs “Metropolis”. Das ist nicht ganz abwegig; zu Probenbeginn haben wir uns ja auch bereits in diesem Tagebuch Gedanken zum Großstadtmotiv der zwanziger Jahre gemacht. Vielleicht hat der eine oder andere es mitbekommen: “Metropolis”, übrigens ein UNESCO-Weltdokumentenerbe, wurde im Februar in der rekonstruierten Gesamtfassung am Brandenburger Tor in Berlin während der Filmfestspiele gezeigt. Bis es zu dieser Neufassung kommen konnte, suchten Filmhistoriker über 40 Jahre nach den verschollenen Teilen, die bereits nach der Uraufführung gestrichen worden waren. In Argentinien tauchten sie dann nebenbei auf.

Schneiden und wieder zusammenfügen – das ist bei neuen, noch nicht erprobten dramatischen Texten auch ein überlebensnotwendiges Prinzip. So wird bis heute der Text bearbeitet, auf Fehler und Problemstellen abgeklopft. Und wenn Sie sich jetzt in der Vorstellung fragen, ob der Reporter der Volksstimme eine Fata Morgana gesehen hat: Nein, die Szene mit Lehrer Bremser gab es wirklich. Bis vor drei Stunden, da wurde sie dann gestrichen, womit das Stück noch temporeicher wird. Also: Nicht wundern!

“Die gigantische Masse verwandelt sich in ein Textgewebe.” Das Zitat von Michel de Certeau habe ich bereits in der letzten puppe. verwendet und es nochmals für das Begleitmaterial verwendet. Nicht nur die gigantische Masse der Stadt, verwandelt sich in ein Textgewebe. Auch die gigantische Masse der Bühnenzeichen. Und somit stelle ich das Zitat vom Anfang der Arbeit an Pünktchen und Anton nun auch ans Ende – damit ab Sonntag unsere Zuschauer in das Textgewebe eintauchen mögen. (ts)

(Eine Reportage über die Wiederentdeckung von Metropolis gab es übrigens 2009 im ZEIT-Magazin, online noch nachzulesen unter: http://www.zeit.de/2008/28/Metropolis-Reportage-28)



Treffpunkte
Donnerstag, 15. April 2010, 10:46
Abgelegt unter: Probentagebuch

Haben Sie das letzte Editoral der puppe. gelesen? Kleiner Tipp: Es steht auch auf der Startseite unserer Homepage. Dort habe ich etwas über Bewegungstexturen geschrieben, die sich zwischen eher armen  und eher reichen Bevölkerungsgruppen unterscheiden zu scheinen, sodass immer weniger die eine mit der anderen in Berührung kommt. Das ist sogar soziologisch belegbar.

Gestern Abend las ich dann aber folgendes: “Gibt es überhaupt ein besseres Symbol, das für die Armut der Reichen wie der Armen und noch Wohlhabenden gleichermaßen in ganz Deutschland stehen könnte als die weiß-blaue beziehungsweise orange-rot-blaue Plastiktüte? [...] 85 Prozent aller deutschen Haushalte kaufen bei Aldi, wie der Konzern selbst behauptet.” Zu dieser Prozentzahl dürfte beispielsweise das Theaterensemble geschlossen gehören – das hat auch mit der lokalen Nähe des Discounters zum Theater zu tun.

Das Bild ist interessant: In der wohl bekanntesten Lebensmittelkette Deutschlands kaufen sowohl die einen, als auch die anderen. Aldi als ein Ort des Treffens von Arm und Reich? Der Aldi-Fanclub (der auf seiner Homepage mit dem Untertitel “eine wirklich billige Seite” auftritt, was wohl auf das Seitendesign bezogen sein dürfte) schreibt folgende Antwort auf die Frage “Why Aldi?”: “Aldi ist multikulti: Hier treffen sich der gehetzte Student, der sparsame Rentner und der Türke von nebenan! Aldis Kundschaft gleicht einem Querschnitt durch die Bevölkerung Deutschlands.”

Darf man vermuten, dass der Querschnitt trotz dieser gemeinsamen Futterkrippe kaum miteinander kommuniziert? Dabei könnte man ja: Schließlich scheinen beide Gruppen zumindest über Sparsamkeit reden zu können. (ts)

(obiges Zitat ist entnommen aus: Helmut Kuhn: Arm, Reich – und dazwischen Nichts? Streifzüge durch eine veränderte Gesellschaft. Bergisch Gladbach 2007. Den Aldi-Fanclub, der scheinbar seit längerem nicht mehr gepflegt wurde, ist zu finden unter www.aldifan.de)



Osterei gefunden!
Montag, 5. April 2010, 22:23
Abgelegt unter: Probentagebuch

Na, auch gesucht? Soeben wiedergefunden: Das buntbemalte Ostersetzei.

Österliches Setzei

Österliches Setzei