Aus dem Tagebuch einer Praktikantin
Freitag, 29. Januar 2010, 12:28
Abgelegt unter: Probentagebuch

Mein Schülerpraktikum soll mir als Schüler der 10. Klasse einen Einblick in die Berufswelt verschaffen. Ich wollte in die Berufswelt des Puppentheaters hineinschnuppern. Ausgesucht habe ich mir das Puppentheater, weil ich mal eine andere Art vom Theater kennen lernen wollte und weil ich selber schon seit 9 Jahren am Schauspielhaus im Theaterjungendclub spiele.

Ich leiste mein Praktikum im Zeitraum vom 18.01.2010 bis 29.01.2010 im Puppentheater Magdeburg ab. Betreut werde ich dort von Tim Sandweg, er ist am Puppentheater Dramaturg, und Jana Fechner, sie ist Theaterpädagogin.

Mein erster Praktikumstag begann mit einer Vorstellung von „Moby Dick“ von Alexej Leliavski. Ich war begeistert von den Puppenspielern und auch die offene Spielweise hat mich positiv überrascht. Die Puppenspieler haben nicht nur mit den Puppen gespielt, sondern haben auch teilweise die Rolle der Puppe als Schauspieler übernommen. Dann durfte ich an einem Workshop mit Kindern und an einem Nachgespräch teilnehmen, welches Tim und Jana leiteten.

In den nächsten Tagen habe ich übliche Praktikantenarbeiten erledigt. Kopieren, Scannen, Akten sortieren, aber ich durfte auch bei zwei verschiedenen Proben zu schauen, einmal „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ (dieses Buch kannte ich noch aus meiner Kinderzeit) und bei „Spaceman“. Es wurde immer wieder etwas Neues ausprobiert, dadurch waren die Proben sehr, sehr lustig.

Mein kleines persönliches Highlight der beiden Wochen war, dass ich mit zu einer Catering-Firma fahren durfte und dort verschiedene Leckerein probieren konnte, welche das Puppentheater bestellt hatte für die „Kulinarische Reise“. Es hat fantastisch geschmeckt.

Meine beiden Wochen als Praktikanten hier im Puppentheater waren sehr lehrreich und haben mir sehr viel Spaß gemacht. Ich werde jetzt auf jeden einmal öfter ins Puppentheater gehen. :D

Sarah Kowallik (Hegel-Gymnasium)



Freds Schicksal
Montag, 25. Januar 2010, 17:31
Abgelegt unter: Probentagebuch

Während Richard sein Klassenzimmerstück “SPACEMAN” im Hegel-Gymnasium probt, widmen wir uns einmal einer schicksalhaften Randfigur der Geschichte. Nicht nur, dass Fred gerade einmal in drei Sätzen vorkommt, nein, Fred hat auch ein hartes Schicksal, dem wir uns nur mit etwas analytischem Verständnis nähern können und das sicher  von vielen Lesern einfach übersehen wird.

“Er fragte Fred, den Briefträger. Aber Fred sagte „Nein“.” (Seite 16)

Wozu sagt Fred nein? Nun, Bud, der ein Spaceman werden will, fragt Fred, ob er an Außerirdische glaube. Fred scheint das vorläufige Ende der englischen Außerirdischenbehörde für vernünftig zu halten (siehe ein paar Einträge früher), denn er antwortet ziemlich schlicht mit: “Nein”. Fred ist Briefträger – da glaubt man an beißende Hunde, an falsche Zustellungen, an Petrus (irgendwo muss der Regen ja herkommen, immer wenn man unterwegs ist), an platte Fahrradreifen – aber an Außerirdische. “Hab ich noch nie zugestellt.” Das könnte Fred sagten. Doch schauen wir zwei Seiten weiter:

Jane und Tommy, Mama und Papa, und Fred, der Milchmann, sitzen im Publikum. (Seite 18)

Fred scheint nicht irgend ein Freund der Familie zu sein – nein, Fred sitzt neben den besten Freunden Buds, neben dessen Eltern im Publikum und wartet auf den Raketenstart. Das ist vielleicht schon ungewöhnlich genug, doch: Warum ist Fred jetzt Milchmann? Er bleibt es auch: Auf Seite 21 ist er immer noch Milchmann. Sollte das etwas mit seiner ablehnenden Haltung Außerirdischen gegenüber zu tun haben?

Stellen wir uns das mal vor: So ein vorlauter Postbote glaubt nicht an Außerirdische und erdreißtet sich, das auch noch öffentlich zu sagen. Gut – man kann verteidigend sagen, er wurde gefragt. Aber hätte er nicht wenigstens “Muss ich nochmal drüber nachdenken” oder “Bin mir da nicht so sicher” sagen können? Die Außerirdische-Liga überlegt sich nach dieser dreisten Antwort: “Wir müssen ein Exempel statuieren.” Fred wird über Nacht bei der Post entlassen. In Amerika ist alles anders – da interessiert sich niemand so richtig für Arbeitslose. Fred versucht sich noch in Floskeln seinem Chef gegenüber zu retten, doch was soll er gegen die Gehirnsaugemaschine der Außerirdischen machen?

Fred denkt an seine Familie, seine Kinder, die auch später mal Spaceman werden wollen. Er rennt durch die Nacht und bleibt vor einer Molkerei stehen. Da sieht er ein Schild: “Milchmänner” gesucht. Gut, nicht dass es Milchmänner irgendwo noch gäbe – dafür geht man heute in den Supermarkt – aber in den Staaten ist ja immer alles etwas anders und manche Bundesstaaten sind ja auch vielleicht in punkto Milchmann etwas hinterher. Oder vielleicht ist es wie der wiedereingeführte Tankwart nur ein Werbegag für die Kategorie regionale Öko-Erzeuger: “Milch frisch vom Milchmann? Bekommen Sie nur bei uns! Direkt und frisch von Bauer Klawsen.”

Also nichts wie rein: “Hey, Sie suchen einen Milchmann?” “Ja, kannst du denn überhaupt was austragen?” “Klar, ich war Briefträger!” “Ach, und du bist jetzt keiner mehr, weil du was austragen konntest?” “Naja, Briefe sind ja nicht Milch, also könnte ich vielleicht unter Umständen ja einmal auf Probe habe ja auch Kinder und Familie die Spaceman…” “Jaja, ist ja gut. Hier nimm die Milch und trag schon.” “Danke, Chef!” “Aber erst auf Probe.” “Ja klar Chef.”

Und da macht sich Fred an die Arbeit und flizt in einem Eiltempo durch die Gegend, um die Milch auszutragen. So kann er wenigstens später neben den Familienangehörigen Buds sitzen und dem Raketenstart beiwohnen. Später, wenn dann alle überzeugt sind, es gebe Außerirdische, wird Fred nicht mehr erwähnt. Hat er durch dieses Schicksal dazugelernt? Muss er deshalb nicht mehr speziell genannt werden? Vielleicht wurde er von seinem neuen Chef auch wieder abkommandiert, während die Rakete noch unterwegs war, sodass er nie die Geschichte von Bud und dem Außerirdischen hören wird. (ts)



Mit dem Wal ins neue Jahr
Donnerstag, 14. Januar 2010, 12:37
Abgelegt unter: Probentagebuch

Reise, Reise, Seemann reise. Und die Wellen weinen leise…
(Rammstein, erfolgreichste Export-Band Deutschlands)

Vielleicht hat sich der ein oder andere ja schon gefragt, warum letzte Woche nicht der obligatorische Blog-Eintrag kam. Das würde zumindest dafür sprechen, dass wir Probentagebuch-Leser haben, die nicht zur Hausmannschaft gehören. Wir waren eine Woche im Urlaub und sind seit Montag wieder unterwegs, dieses Mal für die Wiederaufnahme von “Moby Dick”, eine Produktion die aus verschiedenen Gründen leider über 1 1/2 Jahre nicht gespielt werden konnte. Entsprechend tief müssen die Darsteller in ihr Gedächtnis vordringen, um zu rekapitulieren, was sie damals überhaupt gemacht haben, wie die Seile des Bühnenbildes wann und warum gezogen werden müssen. Außer Ulli. Ulli ist nämlich neu für die Rolle des Ismaels besetzt.

Reise, Reise

Reise, Reise

Glücklicherweise wurde im Mai 2008 eine Vorstellung aufgezeichnet, sodass immerhin noch ein optischer Einblick vorhanden ist – ein Regiebuch ließ sich leider nicht auffinden. Wie jede Theateraufzeichnung kommt auch unsere an die Grenzen – man lese ja nur den großartigen Aufsatz Walter Benjamins über das “Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit”, um zu wissen, warum Theatermitschnitte ziemlich beknackt sind und warum der Theaterkanal nur ein mittelgroßes Vergnügen ist. Aber eine Hilfe ist der Mitschnitt dennoch, um Positionen, Timings und Stimmungen wiederaufleben zu lassen.

Herman Melville hat sich bei seinem Roman von verschiedenen Büchern des Alten Testaments inspierieren lassen. Die Geschichte um den König “Ahab”, der vom Propheten “Eliah” eine Prophezeiung des Untergangs vorgetragen bekommt; die Geschichte um den Jona und den Wal, die Geschichte der Ausstoßung Ismaels nebst seiner Mutter aus dem Stamm Abrahams.

So eine Art Textcollage ist Moby Dick – und sicherlich eines der Bücher, wo fast jeder beim Titel sagt: “Kenn ich.” Aber gelesen haben es dann doch die wenigsten. Ich habe jetzt jedenfalls einen Anreiz und muss mir nur noch eine lesbare Ausgabe besorgen. (ts)