Gedanken zum: Doppel-Null-Jahrzehnt
Mittwoch, 30. Dezember 2009, 13:10
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Cappuccino. Klassische Tassenvariante

Cappuccino. Klassische Tassenvariante

Manche Dinge, an die wir uns im letzten Jahrzehnt, das morgen zu Ende geht, so gewöhnt haben, scheinen schon immer Bestandteil unserer Kultur gewesen zu sein. Zum Beispiel: Seit wann gibt es eigentlich “Coffee to go”? Für mich gab es das eigentlich erst seit meiner Zeit in Berlin; in der westfälischen Provinz hatte sich die Idee bis dato noch nicht durchgesetzt. Also: Seit knapp 3 1/2 Jahren kenne (und nutze) ich das Prinzip. Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass es jemals anders gewesen wäre. Und wenn mir Frank von seinem allmorgentlichen Kaffee von der Tankstelle erzählt, glaube ich, nicht der einzige zu sein. Die Antwort ist übrigens: 1998. Da eröffnete das Unternehmen Balzac Coffee die ersten Filialen und verkaufte den ersten Kaffee für unterwegs. Heute offeriert jeder Bäcker die gesamte Kaffeepallette vom Milchkaffee, über den Latte macchiato hin zum Cappuccino im Pappbecher. Und wir kaufen das Zeug und rennen damit durch die Stadt. Irgendwie ist das eine Mischung aus Kaffee-Sucht-Befriedigung und dem Phänomen, das niemand mehr Zeit hat, den Espresso sitzend zu genießen – womöglich lesend oder sinnierend.

Noch so ein Phänomen: Gab es jemals eine Zeit ohne den Boom von Fantasy-Literatur? Das Doppel-Null-Jahrzehnt brachte auch diese Gattung groß hinaus. Der erste Band von Harry Potter erschien 1998 und wurde 2001 verfilmt. Bis zum finalen Band (und auch beim Nachfolger um den Barden Beedle) hat sich die Pouplarität nicht erschöpft. Jetzt gerade erleben wir den Nachfolger mit den Twilight-Romanen und, die Verwertungskette ist länger geworden, Verfilmungen. Gar nicht zu sprechen von Hörbüchern, Bettwäsche, Fanzines, Plastikfiguren, Spielzeug, Puzzle etc. Der dritte im Bunde, wenn natürlich wesentlich älter, ist “Der Herr der Ringe”, als Filmtriologie drei Jahre nacheinander zu Weihnachten zu bestaunen. Einmal gar nicht davon zu sprechen, womit noch alles versucht wurde, auf die Fantasy-Wellt aufzuspringen: “Narnia”, “Der goldene Kompass” – alles Literaturverfilmungen. Und plötzlich lesen Kinder und Jugendliche, die Erwachsenen nicht zu vergessen, dicke Schwarten in wenigen Tagen. Doch warum eigentlich? Vielleicht, weil sie “Gewissheit” vermitteln, wie es Spiegel Online schreibt: Gut ist Gut, Böse ist Böse, es gibt eine Trennung dazwischen. In der Fantasy-Welt klappt das, im realen Leben nicht, da gibt es neben Schwarz und Weiß die tausend Graustufen.

Und es ist ja nicht so, als dass das Theater die große bunte Fantasy-Welt außen vor gelassen hätte. Gut, an den oben genannten Beispielen bekommt man die Aufführungsrechte erst gar nicht. Aber zum Beispiel Tolkiens “Hobbit” gibt es in mehreren Figurentheater-Versionen. Oder die deutsche Ecke mit “Tintenherz” ist deutschlandweit auf Bühnen zu sehen, u.a. hat Marco Dott, bei uns letztes Jahr für die Weihnachtsproduktion “Burattino” verantwortlich, am Jungen Theater Bonn bereits vor ein paar Spielzeiten das Funke-Werk vermusicalt.

Egal ob mit Kaffeepappbecher in der Hand oder fantasylesend: Einen guten Rutsch ins Jahr 2010! Und allen Besuchern unserer Silvestervorstellungen viel Vergnügen bei Vorstellung, Menü und Tanz! (ts)



Straßenschluchten
Montag, 21. Dezember 2009, 17:21
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Nachdem Heidi nach über 40 Vorstellungen nun erst einmal sich ausruhen darf, wurde heute in Windeseile die Bühne ausgebaut, um die Bauprobe für “Pünktchen und Anton” stattfinden lassen zu können. Das heißt: Alle Podest weg von der Bühne, Wolkenprospekt zur Seite und Wände hinaus. Um gleich neue Wände hineinzustellen, dieses Mal ohne überdimensionale Türen, sondern mit dem, was große Städte ausmacht: Hohe Häuser und dazwischen eine Straßenschlucht. Dies sieht nämlich Sven, unser Bühnenbildner, für die hiesige Version des Kinderbuches vor. Dazu noch eine etwas flackrige Neonröhe und ein Kronleuchter – schon entsteht ein kompakter Raum.

Und was sich im Modell bereits als gut dargestellt hat, sieht in Originaldimension auch gut aus – wenn man einmal von kleinen Mess- und Rechenfehlern absieht. Wegen dieser macht man aber ja auch eine Bauprobe, damit man sie im richtigen Bühnenbild möglichst umgeht. Auch Puppen-Dummies gab es von Barbara, mit kleinen Köpfen und riesigen Körpern; so wie Erwachsene halt sind.

Und als die Bauprobe dann gut gelaufen war, konnten die Podeste wieder aufgebaut werden – denn ab Morgen laufen die Umbesetzungsproben zu “Das letzte Hemd”, das am Sylvesterabend gespielt wird.

Derweil gibt es die letzten Termine für “Scrooge” heute, morgen und am 2. Weihnachtstag. Gestern, als ich mich in ein Café gegenüber der Berliner Volksbühne flüchtete und die Zeit irgendwie rumkriegen musste, bis eben dort die Vorstellung begann, las ich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen Text einer Großmutter, die Weihnachten alleine verbringt und Scrooges asketisches Fest als richtig christlich einstuft, wenn man einmal davon absieht, dass er außerhalb dieses Festes ein Geißkragen ist. Sie feiert jedenfalls anscheinend gerne alleine. Wie auch immer Sie und Ihr feiern wollt, ob alleine oder in der Großfamilie: FROHE FESTTAGE! (ts)



In ferne Weiten
Donnerstag, 10. Dezember 2009, 12:31
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Richard baut. Ja, dies Foto ist gestellt.

Nach einer turbulenten ersten Wochenhälfte mit “Heidi” und erneuten und sehr spontanen Umbesetzungen, kehrt im Saal langsam wieder Ruhe ein. Endlich findet Richard, der Interims-Peter, Zeit, sein Klassenzimmerstück “Spaceman” zu proben. Damit wird er ab Mitte Januar Grundschulen in und um Magdeburg besuchen und absurd-komisch mit Kreide, Kittel und Flachfiguren das Weltall erkunden. Passender Weise hat das Hegel-Gymnasium, wo Richard bis vor kurzem noch Schüler war, nachmittags freie Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt: Die sind zwar, wie Schulräume ja oft, hässlich beigefarben gestrichen, dafür aber genau der richtige Schauplatz den Richard benötigt.

Und während Richard Außerirdische im Fernseher auftauchen lässt, verschwindet eine skurille Einrichtung der britischen Verteidigungsministeriums im Strudel der Finanzkrise: Dort wurde in dieser Woche die Abteilung zur Erforschung von unbekannten Flugobjekten geschlossen. Gut, der eine oder andere sagt sich nun vielleicht, dass es sowieso keine UFOs gibt – aber von den gemeldeten Fällen lassen sich fünf Prozent tatsächlich nicht rational erklären. Aber keine Angst, ich will hier keine Verschwörungstheorien aufkeimen lassen, das können Anhänger der UFO-Forschung sicher selbst viel besser.

Professor Blastrow spricht mit Kreide. Das ist normal.

Professor Blastrow spricht mit Kreide. Das ist normal.

Nachtrag: Jetzt melden große Webportale: “Spektakulär: Ufo über Norwegen gesichtet” und man kann sich das Objekt sogar als Video ansehen. Schon seltsam welche Zufälle so alles zusammenkommen können. (ts)



Ein neuer Peter
Freitag, 4. Dezember 2009, 11:33
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Dass Theater live stattfindet, birgt hin und wieder Risiken. So beispielsweise, wenn ein Puppenspieler krank wird – dann kann man nicht einfach den Film abspielen lassen. Da muss entweder abgesagt, die Vorstellung getauscht oder umbesetzt werden.

Letzteres ist bei uns aktuell der Fall. Ulli Voland, unser Ziegen-Peter, ist bei einem Absprung in der Vorstellung am Mittwoch falsch mit dem Fuß aufgekommen, sodass er jetzt nur noch humpelnder Weise gehen kann und seinem Bein lieber eine Pause gönnen sollte, damit es schnellstmöglich wieder heilt.

Also wird seit gestern fleißig geprobt und umbesetzt: Richard Barborka, der bereits bei “Lilienweiß und Rosenrot” Anfang Oktober auf der Bühne mitwirkte, macht zur Zeit sein freies soziales Jahr im Puppentheater. Bei Heidi war er Regieassistent, kennt also die Inszenierung wie – naja – seine Westentasche, sodass er ab Samstag den Ziegen-Peter und den Butler Sebastian spielen wird. Und das klappt dank Richards darstellerischem Talent sehr gut und – für uns jetzt wichtig – sehr schnell.

Wir wünschen ein Toi, Toi, Toi für deine Heidi-Premiere! (ts)



Echt in Online
Mittwoch, 2. Dezember 2009, 17:03
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Ich war gestern Abend in Berlin.

Dort plakatiert gerade eine große deutsche Tageszeitung mit Sprüchen, die ich in Magdeburg noch nicht gesehen habe (aber sicher gibt es die Plakate auch hier): “Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen.”

Ich habe in meinem Email-Account immer noch eine Freundeseinladung eines Mitglieds von facebook. Ich bin nicht Mitglied bei diesem Portal – um genau zu sein, bin ich bei keinem der vergleichbaren Portale Mitglied – und habe es auch nicht vor zu werden. Bleibt nur die Frage: Kann der Schreiber wegen meiner fehlenden Bereitschaft, der Community beizutreten, nicht mein Freund sein. Oder will er es dann vielleicht nicht? Vielleicht sind Offline-Freunde schwerer zu verwalten…

In solchen Momenten ist es immer gut, wenn man sich von seinem Arbeitsplatz erhebt (da achtet man ja sowieso zu oft auf das Signal neu einkommender Emails und kommt dabei zu nichts) und durchs Haus lustwandelt.

Im Saal steht die Heidi-Bühne verlassen und einsam, auf der kleinen Bühne wird für Scrooge geprobt, im Atelier räumt Sybille ihr Stofflager auf. Marianne ist unterwegs auf Grundschul-Mission, irgendwer räumt den Geschirrspüler aus. Dazwischen das leise klappern von Tastaturen – wie könnte es anders sein.

Doch Moment: Scrooge. Kleine Bühne. Achja: Hätte Ebenezer Scrooge wohl facebook genutzt? StudiVZ? Lokalisten? Vielleicht wäre das zur Aquisition neuer Kunden sehr praktisch gewesen – gut, hat er als Geldverleiher nicht nötig. Aber was ist mit anderen Geschäftsmännern? Kurze Nachrichten an alle, nie einen Geburtstag vergessen und nur eine Online-Karte schicken (die kostet nichts), einen kurzen Kommentar, wie schön die Urlaubsfotos sind und ein oder zwei Einblicke in den vermeindlichen Privatmann. Bevor man einen neuen Freund “added”, kann man ihn ja “googeln”. Und das Beste: Niemand nervt, man hält sich alle physisch vom Leibe.

Ja, vielleicht brauchen wir bald wirklich ein neues Wort für Freunde… Nur welches? (ts)