Puppentheater Magdeburg
Warschauer Strasse 25
Telefon: 0391 – 540 33 10 oder 540 33 11
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Bitte erschrecken Sie jetzt: Stars sind am Ende. Das größte Vergehen neben OP-Pfusch und Magerwahn ist der ungeschminkte Auftritt in der Öffentlichkeit. Wer würde nicht das Fotohandy zücken, wenn Madonna vor einem in Schlabbershorts, Turnschuhen und T-Shirt in der Schlange bei Subway steht, und das Foto wahlweise ins Internet stellen oder direkt als Leserreporter an die Zeitung seines Vertrauens schicken? Dann haben wenigstens Scharen von entsetzen Fans und Neidern Gesprächsstoff über die bröckelnde Fassade der Stilikonen. Wenn schon die Bühnenshow langsam fad wird und die Supernova des Sternchens unweigerlich bevorsteht, kann uns wenigstens noch die gebrochene Perfektion unterhalten. Und wer nicht glauben will, dass sein Idol gerade nicht so wie am roten Teppich aussieht, kann ja immer noch behaupten, hinter den Fotos stecken die Konkurrenz und der falsche Moment am Auslöser.
Es ist eine Kunst, die Schönheit zu konservieren, aufs Zelluloid zu bannen und damit erst den einfachen Menschen zum Idol, Schönes erst wahrhaft schön zu machen. Josef von Sternberg machte es mit Marlene Dietrich; Leni Riefenstahl hinterließ währenddessen Bilder von marschierenden Braunhemden mit erhobener Hand, denen man ein gewisses ästhetisches Potential einfach nicht absprechen kann. Der Prozess der Hochstilisierung ist der Fotografie oder dem Film genauso eigen, wie die vehemente Behauptung, das Abgebildete sei gleich dem Original. Und die meisten Zeitungsleser und Kinogänger unterscheiden nicht zwischen Bildnis und Realität. Dies Verhältnis wird erst inkongruent, wenn das endlose Foto auf den endlichen Gegenstand trifft. Oder kennen Sie Fotos die ihre Haltung geändert haben?
Diese Unveränderlichkeit ist den meisten Prominenten sehr recht, schließlich haben sie sich ja nicht umsonst in zu enge Kleider gezwängt und zu viel Make Up aufgetragen. Plötzliche Enthüllungen, die die gemütlich eingerichtete Biographie umschreiben würden? Marlene Dietrich würde entgegenwettern: I will kill this idiot! Über das, was in meinem Leben geschehen ist, will ich schließlich selbst bestimmen.
Erst wenn die Realität die Fotografierten einholt, fällt ihnen auf, dass sie vielleicht etwas vergessen haben: Nur der Schönheit weiht ich mein Leben – und dann? Niemand hat den Prominenten erlaubt, zu altern und das dann auch noch öffentlich zu zeigen. Der Geburtsschein ist schließlich ein Gerücht, das eine Frau durch ihr Aussehen jederzeit dementieren kann. Stars an den Marken ihrer Tage sollen dann doch bitte daheim bleiben und sich im Pariser Appartement verkriechen. Wenn man schöne Beine behalten will, muss man sie von den Blicken der Männer massieren lassen. So einfach ist das.
We love to entertain you!
Ihr Tim Sandweg
Dramaturg





