der besondere Tipp:

Marleni – preußische Diven blond wie Stahl

Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die Protagonistinnen dieser Inszenierung: Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl. Die eine, der antifaschistische Engel; die andere, die braune Hexe.

Die eine, “Amihure”, der die Nachkriegsdeutschen „Go home!“ entgegenbrüllten, und die andere die “Nazinutte”, die seit 1945 systematisch boykottiert wurde.Was geschieht, wenn Leni nächtens über den Balkon in Marlenes Pariser Wohnung einsteigt, um sie zu einem letzten und nun gemeinsamen Film zu überreden?

Ein gnadenloser Dialog über Schuld und Unschuld, über das Altern, die Unsterblichkeit und die Männer entbrennt, bis das vergangene Jahrhundert in dieser Abrechnung wieder gegenwärtig wird.

zum letzten Mal in dieser Spielzeit:
Marleni – preußische Diven blond wie Stahl
Freitag 25.05. | 20:00uhr
Tickets: 0391 | 540 – 3310 / 3311

Sommer HOFSPEKTAKEL

Die rechtschaffenen Ganoven von Dänemark um ihren Gaunerkönig Egon ergeben sich niemals. Und sie sind bereits unterwegs: Über Jütland stellen sie die Weichen, sehen Rot, laufen Amok, steigen aufs Dach, fliegen über Planken und alle Berge und schlagen mit ihrem größten Coup bei uns im Sommerhofspektakel noch einmal zu. Und weil unser echter Däne Nis Søgaard als Regisseur ganz genau weiß, was er da tut, hat er sich ein paar stadtbekannte Gäste für Spiel und Musik eingeladen.

Dieser vergnügliche Mix aus allen 13 Olsenbandenfilmen wird ein ganz sehr großes Sommerspektakel. Versprochen! Auf dem größer gewordenen Puppentheater-Hof vom 07. bis 29. Juli. Tickets gibts unter 0391 – 540 3310/11 . Wer zuerst kommt, hatte einen Plan …

Reservierungen unter 540 3310 / 11 sind möglich, werden aber nur 7 Tage vorbehalten.
Holen Sie Ihre Karten bitte innerhalb dieser Frist bei uns an der Kasse ab. Vielen Dank.


Puppentheater Magdeburg
Warschauer Strasse 25
Tickets: 0391 | 540 – 3310 / 3311


EDITORIAL puppe. 12

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Mit dem Thema „Klassiker“ müssen sich immer wieder alle, die mit Literatur arbeiten, konfrontieren – Literaturwissenschaftler, Lehrer und natürlich auch wir Theaterschaffenden. Spätestens, wenn der deutsche Bühnenverein seine jährliche Werkstatistik veröffentlicht, deren fünf oberste Plätze in der Regel von Schiller, Shakespeare, Goethe belegt sind. Oder wenn die curricularen Vorgaben der Schulen in der Spielplanberatung vorbeischauen und verlautbaren lassen: „Wenn ihr Faust spielt, ist wenigstens das Haus voll.“

Ein Argument, das in populistischen Kürzungs-Debatten zumindest die Auslastung sichert, sicherlich aber nicht der einzige Beweggrund sein darf, schon wieder „Habe nun, ach!“ von der Bühne herabzusprechen. Ist es die einzige Motivation, sollte man es besser sein lassen. „Ein volles Haus haben zu wollen“, ist so auch laut dem Dramaturgen und heutigen Frankfurter Schauspielintendanten Oliver Reese ein schlechter Grund, um „Faust“ aufzuführen. „Denn das [volle Haus] ist garantiert, allein der Name des deutschen Antihelden löst zwangsläufig und reflexhaft einen Zuschauerstrom aus.“

Aber verlassen wir einmal alle ökonomischen Erwägungen, die bei der Klassikerfülle auf deutschen Bühnen zumindest Mitverursacher sein dürften. Klassiker haben ihren Status ja nicht zu unrecht: sie sind Meisterwerke, die ihre Entstehungszeit maßgeblich geprägt haben, sind exemplarische Beschäftigungen mit den großen Themen des Lebens, die bis heute Gültigkeit besitzen – das macht die Beschäftigung mit ihnen schließlich so reizvoll und überhaupt erst im Heute möglich.

Was macht den Klassiker darüber hinaus aus, warum schaut sich ein Publikum so gerne Klassiker an? Vielleicht sind sie ein Produkt der Europa prägenden Vorstellung, dass alten Werken – seien es literarische, filmische, architektonische, bildkünstlerische – generell ein gewisser Erhaltungs- und Schauwert zugestanden wird. Ein Gedankenbild, das andere Kulturen so nicht kennen. Vielleicht spielt weiterhin die Freude am Wiedersehen eine große Rolle.

Beim zwanzigsten Mal „leben und sterben lassen“ kann ich die Dialoge bereits mitsprechen, schaue mir den Film aber aus genau diesem Grund auch noch ein einundzwanzigstes Mal an. Was für Klassiker der Unterhaltungsindustrie gilt, kann genauso auf die literarischen Klassiker zutreffen: Beim Wiedersehen startet man auf einer tiefer gehenden Ebene der Betrachtung, als bei der ersten Lektüre, sodass man mit jedem Male eine Schale tiefer in das Werk eintauchen kann. Schön, wenn dann die Künstler in der Auseinandersetzung mit diesem Klassiker nicht bei der äußersten Zwiebelhaut halt machen. Natürlich sind Klassiker überdies eine gute kulturelle Basis. Das lässt sich sehr deutlich beim Fernsehen betrachten: Wenn alle am Abend das gleiche Programm gesehen haben, bildet dies den Referenzrahmen am Morgen für den Smalltalk – gerade sind ja amerikanische Serien en vouge.

Auf einer weitaus größeren Basis kann auch die Kenntnis von Klassikern diesen Effekt haben, sodass man sich einer Gruppe zugehörig fühlen kann. Ob man dies allerdings mit einem leitkulturellen Zwang zur Klassikerpflege herstellen sollte, ist eine ganz andere Frage. Letztlich können Klassiker im unüberschaubaren Heute auch ein Anker sein. Wer weiß denn schon, was man vom aktuellen Buchmarkt, der so viele Neuerscheinungen verzeichnet wie noch nie, gelesen haben „muss“?

Letztlich sind aber Klassiker um der Klassiker willen ziemlich sinnfrei: als pure Anhäufung von Allgemeinbildung sind sie genauso uninteressant, wie wenn sie nur dazu dienen sollen, das Haus zu füllen. Auch wir wollen uns in der ausgehenden Spielzeit mit zwei Klassikern beschäftigen: Drei Buffone wollen den Fauststoff reorganisieren und Nis Søgaard wird die Olsenbande durchdrehen lassen.

Schauen wir also einmal, was diese Stoffe zu erzählen haben, warum man sie auch heute noch auf die Theaterbühne bringen sollte. Wir sind gespannt und hoffen, sie mit auf diese Reise nehmen zu dürfen.

Ihr Tim Sandweg, Dramaturg