der besondere Tipp:

DOPPELABEND:
Die zertanzten Schuhe
Leben kann man so nicht

Samstag 28.01. um 20:00 Uhr

Gastspiel in der Reihe: weit:blick Junges Figurentheater

Zwei Arbeiten von Puppenspielstudenten und jungen Absolventen aus Berlin. Julia Struwe verknüpft in ihrem Diplomprojekt Motive aus dem Märchen “Die zertanzten Schuhe” mit der Tänzer-Biographie ihrer Großmutter zu einer feinsinnigen Inszenierung mit Marionetten und Objekten.

Freda Winter und Lennart Morgenstern interpretieren mit Handpuppen Nikolai Erdmans “Der Selbstmörder”, die Geschichte um einen Mann, der nicht mehr weiß, wozu er auf der Welt ist.


HEIDI

Heidi am 29.01. um 15:00 + 16:30 Uhr

Heidi ist viel mehr als die heile Bergwelt, reine Natur und kindliche Unbekümmertheit. Es ist die Geschichte eines kleinen Mädchens, das eines Tages einfach auf die Alm zu einem fremden Mann verfrachtet wird, doch schnell freundet sich Heidi mit ihrer neuen Umgebung an … bis sie plötzlich in Frankfurt landet.

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König Richard III.


Ein Joker, der Machtspiele für sich zu entscheiden weiß und die Treppe zum Königsthron mit Leichen pflastert. Virtuos, ausgegrenzt und zynisch – bis er auf der letzten Stufe nur noch sich selbst zum Vernichten weiß. Die kolossalen Mechanismen der weltlichen Herrschaft als groteskes Clownsspiel mit 17 Puppen auf dem schmalen Grad zwischen Manege und Konferenzzimmer.
Samstag und Sonntag = 03. und 04. Fabruar jeweils 20:00 Uhr


Und hier das Ergebnis unserer Umfrage nach der persönlichen Auswertung für 2011. Wir stellten die abschliessende Frage nach 365 Tagen Wohl- oder Übelbefinden.

*** wunderbar: weiter so! (44%, 578 Votes)
** ein Jahr wie alle anderen. (40%, 523 Votes)
* doof. Erbitte Wiederholung. (16%, 206 Votes)

Das waren gesamt 1.307 Stimmen welche damit klarstellen, daß es so schlecht nicht um uns bestellt sein kann. Anregungen, um in 2012 vom Mittelmaß zur Wohlfühlspitze aufzusteigen, entnehmen Sie bitte unserem Spielplan.


Puppentheater Magdeburg
Warschauer Strasse 25
Tickets: 540 – 3310 / 3311


EDITORIAL puppe. 10

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

„Wer wächst noch da auf, wo er geboren wurde? Wer wohnt da, wo er aufgewachsen ist? Wer arbeitet da, wo er wohnt? Wer wohnt dort, wo seine Vorfahren gelebt haben?“ So fragt das Unsichtbare Komitee in seiner Schrift „Der kommende Aufstand“ und verweist damit auf eine Entwicklung, die im Diktum des flexiblen und kooperativen Lebens, das wir heute führen wollen sollen, einen Höhepunkt findet: Die Heimatlosigkeit. Gerade in den ostdeutschen Bundesländern dürfte der Wegzug, wie er auch Thema eines Theaterprojektes der Theaterjugendclubs aus Sachsen-Anhalt und Brandenburg vergangenen September in Dessau war, ein alltägliches Phänomen sein, wenn junge Menschen arbeitssuchend oder des Studiums und der Liebe wegen fortgehen. Das ist nicht zwangsweise schlecht: Ein Ausbrechen aus den Dörfern am Ende der Welt und den prägenden, zumeist familiären Strukturen ist für die Persönlichkeitsentwicklung in jedem Fall förderlich; die Erde alleine zu erkunden und sich den Grenzen, an die man stößt, zu stellen, neue Eindrücke zu sammeln – das ist bereichernd und weitet das Verständnis für die pluralistischen Anforderungen zu Beginn des dritten Jahrtausends. Früher führte diese Reise fast zwanghaft zurück in die Heimat. Der Zwang zur Rückkehr ist heute dem Zwang zur Flexibilität gewichen, dem Zwang ständig dem Job hinterher zu ziehen. Eine Art neue Heimat, beispielsweise in Form einer eigenen Familie, aufzubauen, wird unter diesen Voraussetzungen immer schwieriger, wenn wir ständig umziehen. Genauso ist es für die, die doch an einem Ort bleiben: Sie haben es stetig mit neuen Mitmenschen zu tun.

„Unsere Geschichte ist jene der Kolonisierungen, der Migrationen, Kriege, Exile, der Zerstörung sämtlicher Verwurzelungen.“ Maximal bleibt ein so schwammiger Begriff wie die Staatszugehörigkeit übrig, an den sich mancher reflexhaft zu klammern versucht, um die Fiktion der Heimat aufrecht zu erhalten. Diese Suche nach einer Heimat in der sich globalisierenden Welt hat selbst schon Tradition: Nirgendwo sieht man sie deutlicher als im gleichnamigen Filmformat, das in der Nachkriegszeit ein erfolgreiches Intermezzo feierte mit seinen Bildern von schönen Landschaften, bodenständigen Familienmenschen und Geschichten, die sich generell zum Guten wendeten. Gesendet zu einer Zeit, in der die Familienidylle schon daran scheiterte, dass die meisten Männer entweder im Schlachtfeldschlamm oder im Gefangenenlager verschollen waren.

Die Desorientierung vollzieht sich einerseits räumlich. In diesem Zusammenhang lässt sich auch eine Idee des Hamburger Sportvereins lesen, der einen Friedhof für seine verstorbenen Fans in Blicknähe des Stadtions eröffnete. Dieser erfreut sich regen Zuspruches. Da es nicht mehr das Familiengrab auf dem dörflichen Friedhofsfeld gibt, ist der Fixpunkt Fußball sicher eine heimatliche Alternative. Andererseits ist es eben auch eine Frage der kulturellen Herkunft, die uns abhanden kommt. Diese Entwicklung hat uns letztlich alle zu Migranten gemacht. Städte und selbst viele Dörfer sind heute keine homogenen Kulturen mehr, sondern kulturelle Konglomerate, mit denen wir definitiv noch nicht verstanden haben, umzugehen. Vielleicht hängt diese Unsicherheit auch mit der Frage zusammen, ob wir überhaupt noch eine Kultur haben, die entweder multikulturell neben anderen stehen kann oder in die sich alternativ andere Kulturen integrieren können. Müssen wir uns erst einmal selbst wieder verorten?

Ihr Tim Sandweg, Dramaturg